Adam Green am 07.07.2010 im Gleis22 in Münster Wer kommt da mit sanftem Schlaf-zimmerblick nach Münster? Es ist Adam Green. Früher machte der rebellische Großmeister des Anti-Folk zusammen mit Kimya Dawson, als eine Hälfte der Moldy Peaches, die Bühnen der Welt unsicher. Auf seinen Solopfaden zwischen Indie und Rock 'n' Roll kontrolliert der Endzwanziger schon seit Jahren die Heavy Rotations mit "Jessica" oder "Emily" und zwischen den großen Festivals im Sommer macht er tatsächlich einen Abstecher ins Gleis22 um eine intime Clubshow zu spielen. Hier sollte dringend der Vorverkauf genutzt werden. So, jetzt bitte einmal tief Luft holen und dann: Vergessen Sie alles, was Sie über Adam Green zu wissen glauben. Natürlich macht der Mann seit seinem 14. Lebensjahr Musik, war seine Ur-großmutter die Geliebte Frans Kafkas, legte er während der Dauerpause seiner Band The Mol-dy Peaches mit fünf Alben in knapp sechs Jahren eine beeindruckende Solo-Karriere hin. Alles wahr, ja ja - trotzdem mal bitte kurz ausblenden. Denn, und hier setzt der Trommelwirbel ein, es gibt jetzt einen anderen Adam Green. Einen, der nicht auf die Füße fällt. Dem das Herz gebrochen wurde. Der sich mit seinem sechsten Werk "Minor Love" zwar nicht komplett neu erfunden, in gewisser Weise aber wieder gefunden hat. Der auf bestechende Weise die Anti-Folk-Attitüde der frühen Tage mit der musikalischen Cle-verness von heute in Einklang bringt. Aufgenommen hat er "Minor Love" in einem Rutsch im Haus des Produzenten und Musikers Noah Georgeson (Devendra Banhart). "Wenn du ein Album in so kurzer Zeit aufnimmst, dann wird es immer ein bestimmtes Gefühl transportieren", sagt Green. "Ich fühlte mich wie traurige Folk-Musik und mache wieder die Musik, die ich liebte, als ich anfing zu spielen." Und da er dieses Gefühl am besten umsetzen kann, spielte er fast alle Instrumente selbst ein. Sogar das Schlagzeug, was er seit dem ersten Album nicht mehr gemacht hatte. Beim Rest halfen ein paar Freunde wie Rodrigo Amarante von Little Joy und Greg Rogove von Megapuss. "Ich hatte diese Komplexität über, mit der ich mich als Komponist in den letzten Jahren herausgefordert hatte", erklärt Green. Adam Green ist musikalisch immer besser geworden in den letzten Jahren. Eine Tatsache, die vielleicht ein wenig untergegangen ist angesichts des öffentlichen Rummels. "Minor Love" ist nun sein bislang reifstes Album geworden. Wir halten fest: Dieser Adam Green fängt gerade erst richtig an.
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